Verwaist

Ja der Blog ist verwaist weil … es gibt so viele Gründe:

1. Keine Zeit!
Kaum ist mein großer Großer ausgezogen ist mein Vater bei mir eingezogen. Meine Mutter kam am Ostermontag ins Krankenhaus und seither ist mein Vater der an Demenz leidet bei uns in Pflege. Da das Drama mit meiner Mutter immer noch nicht ausgestanden ist werden es nun noch mal 7 Wochen Minimum sein.

Meine Mutter kam wegen starker Schmerzen aufgrund einer Stenose ins Krankenhaus. Was dann folgte war ein Paradebeispiel an Krankenhausaufenthalt. Sie fing sich eine Lungenentzündung und einen Harnwegsinfekt zu und die Keime streuten ins Blut. Eine heftige Sepsis (Blutvergiftung) entwickelte sich und sie kam auf Intensiv mit allem was zu einer Sepsis gehört. Ist schon schwer wenn jemand bisher geistig fit war plötzlich in heftigem Delirium daliegt, die Apparate quietschen und piepsen fröhlich und die Ärzte versuchen dir vorsichtig beizubringen, dass das multiple Organversagen folgen könnte während die Mutter munter Halluzinationen hat. Meine Mutter war nicht mehr wiederzuerkennen und hin und wieder dachte ich, dass ich wohl eher in einem Psychothriller gelandet bin als in der Intensivstation. In der Zeit habe ich es tatsächlich geschafft halbtags zu arbeiten und danach mit meinem Vater ins Krankenhaus zu fahren. Ist ja eigentlich kein Problem wenn das Krankenhaus nicht 160 km von hier entfernt ist. Nach einer Woche hatte sie es endlich geschafft und kam wieder auf die normale Station. Wie auch immer haben sie es nicht geschafft in der Zeit meine Mutter fit für die Reha zu machen. Die Einzelheiten würden selbst einen Blograhmen sprengen.
Zwischenzeitlich hatten wir auch noch unseren Urlaub gebucht, den letzten Urlaub mit unseren Kindern. Na ja, wenn sie groß sind und auch nicht mehr zu Hause wohnen ist es eben auch mit den Urlauben nicht mehr so. Für meinen Vater konnten wir keine Kurzzeitpflege bekommen und so haben wir ihn einfach mitgenommen. Ganz so einfach war es natürlich nicht, wie gesagt er ist dement. Aber so lange ist es ja noch nicht her, dass ich auf kleine Kinder aufpassen musste. Er hat dann auch das volle Programm abgeliefert. Einmal nicht aufgepasst und er hat sich eine Entzündung am Fuß geholt, Einzelheiten erspare ich mir jetzt, aber den Weg zur Notaufnahme in Italien kannten wir ja noch von den Kindern.
Nun kommt meine Mutter nächste Woche also in ein Pflegeheim hier, es ist das gleiche Heim in das mein Vater jeden Tag in die Tagesbetreuung geht. Da wird sie hoffentlich so aufgepäppelt, dass die anschließende Reha möglich ist.

2. die Zeit rennt
siehe oben

3. vieles was mich beschäftigt möchte ich nicht zur Diskussion stellen
Politik, Glauben, Religion, Arbeit, Ehe, Kinder usw.

4. ich bin alt
Ja, das habe ich wirklich gemerkt. Auf Facebook gibt es eine Gruppe mit ehemaligen Blog.de Nutzern. Da liest man auch mal gerne was man so vor 10 Jahren geschrieben und kommentiert hat und merkt was man mal alles so geschafft hat. Kommentarschlachten bis in die Nacht, massenhaft Einträge (die durchaus mit Arbeit verbunden waren), Podcasts usw.. Das ist dann der Punkt wo ich mir denke wo um alles in der Welt habe ich die Zeit dafür gefunden?

5. Es ist hier einfach nicht mehr so wie auf Blog.de
Ich hab mir ja alle Mühe gegeben und alle alten Einträge hierher übertragen aber das alte „Bloggerdorf“ ist einfach nicht mehr da.

Wer weiß, vielleicht bringt mich die Erinnerung an die alten Blogzeiten wieder dazu hin und wieder was zu schreiben. Es hat auf jeden Fall wieder angefangen zu jucken.

Poppende Igel

Ein wirklicher schöner Abend. Wir haben es genossen auf der Terasse zu sitzen. Das leicht flackernde Licht aus dem Windlicht und ein kühles Weizen runden die romantische Stimmung ab. Irgendwann geht dieses Geräusch los. Ein eigenartiges Geräusch und durchaus in einer Lautstärke die man nicht überhören kann. Eine halbe Stunde lausche ich dem ungleichmäßigen Geräusch und ganz ehrlich es nervt.

Dann kommt der Gatterich und beschließt heldenhaft wie er ist dem Monster auf die Spur zu kommen. Allen meinen Hinweisen, ich würde zwar Pokemon Go spielen aber das käme nicht aus meinem Tablet, zum Trotz bewaffnet er sich mit einer Taschenlampe um ebenfalls auf Monsterjagd zu gehen.

Na toll, da sitzen zwei Igel im Beet und schauen sichtlich genervt ob der Störung ins Scheinwerferlicht. Ich bin ja beeindruckt von der Ausdauer, dieses Geräusch hat mich insgesamt eine dreiviertel Stunde genervt.

Sollen sie doch weitermachen wenn es ihnen Spaß macht, wir haben das Feld geräumt um die Romantik oder was auch immer nicht zu stören.

Adrenalin

Wer hätte das heute gedacht? Als ich heute morgen aufstand war die Welt noch friedlich und beschaulich. Ok es war regnerisch und wer mich kennt der weiß, dass die ersten Stunden nach dem Aufstehen zumindest aus meiner Sicht nicht friedlich und erst recht nicht beschaulich sind.

Auf meinem Terminkalender stand eine Gegendemo. Mein mitunter sehr beschauliches wenn nicht sogar träges Städtchen hatte heute zu einer Gegendemo zu einem Nazi-Wandervölkchen eingeladen, die der Meinung sind ganz Mittelfranken zu ihrem faschistoiden Gedankenkrampf zu bekehren. Kurz nach Bekanntwerden dieser wirklich lächerlichen Veranstaltung hat sich ein breites Bündnis aus Politik, Gewerkschaften und verschiedenen kirchlichen Konfessionen warmgelaufen. Lange hab ich mir überlegt ob es Sinn macht da mitzugehen. Das Argument solchen Vollpfosten keine Plattform zu bieten macht natürlich schon Sinn. Auf der anderen Seite war ihr Ziel die ZAE (Zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber) die nun schon seit 1955 ihren Platz in Zirndorf hat und die Gegendemo wollte eben auch den Menschen in der Unterkunft einen Wall gegen Neonazis bieten und auch uns ins Gedächtnis rufen, dass wir in all diesen Jahren nie Probleme mit den Asylsuchenden hatten sondern eher mit der Überbelegung im letzten Jahr. Das war also Grund genug um mitzumachen.

Die Organisation hatte hoffnungsvoll von 500 Teilnehmer geträumt, was bei einer Kleinstadt mit 25000 Einwohnern vielleicht auch eine realistische Träumerei ist. Gekommen sind mindestens 800 und ich fürchte die 1000er Grenze wurde in Wirklichkeit nur knapp geschrammt. Die Nazi-Demo brachte gerade mal 20 Hansel auf den Plan, es war kein einziger Einwohner der Stadt Zirndorf dabei.

Um es auf den Punkt zu bringen. Wenn man sich überlegt, dass man wegen zwei handvoll Vollpfosten seinen Samstag nachmittag damit verbringt erst gefühlte Stunden damit zu verbringen Reden zu hören und sich dann am Zielort von einem Platzregen vom Feinsten einzunässen, ich wusste irgendwann wirklich nicht mehr ob ich mich vor Lachen über die Neonazis eingenässt hatte oder ob es wirklich der Regen war, ich schwöre nicht einmal die Unterwäsche blieb trocken, also ob es das wirklich wert war weiß ich nicht. Es war in jedem Fall wert mitzuerleben wie sich Mitbürger quer durch alle Alterschichten, Einkommensschichten, Konfessionen, Parteizughörigkeiten und sonstigen Schubladen vereint haben um gemeinsam gegen Faschismus anzutreten. Die Stimmung zu beschreiben fällt schwer, das muss man erlebt haben. Wenn die Jugendliche mit lila Haaren und ihrer Antifa-Fahne sich freudig unter dem Schirm des älteren Ehepaars das schon seit Generationen CSU wählt Schutz sucht und der Immobilienmakler dem „Grünen“ ein wenig Schutz unter dem regenbogenfarbenen Regenschirm den seine Frau eingepackt hat gewährt und alle in einem Unisono-Chor „Nazis raus“ skandieren, dann sind wir ungefähr bei dieser wirklich faszinierenden Stimmung angekommen die heute geherrscht hat. Danke für dieses Erlebnis und ich hoffe nur, dass alle Teilnehmer noch lange von dieser Erfahrung zehren werden.

Tja, der nächste Adrenalinschub war natürlich Fußball. Meine Nerven, ich glaub ich hab gar keine mehr, das war wirklich nichts für alte Menschen wie mich. Aber egal, Deutschland ist weiter, Deutschland hat das Italien-Trauma überwunden und ich bin einfach fertig für heute.

Viele Überlegungen und viele Änderungen

Es tut sich viel im Hause Orphelins. Zum Einen hat eben die Kleine ihr Abitur überraschend geschafft aber nun steht der weitere Werdegang an. Sie will Wirtschaftsrecht studieren und die beste und interessanteste Uni ist leider nicht die, welche vor der Haustüre ist sondern Mannheim. Das heißt natürlich auch Miete und Unterhalt zahlen und auch etwas dort findet so denn sie genommen wird. Das schöne an Bafög ist ja, dass wir für das Teil wohl zuviel verdienen aber die Realität einfach so aussieht, dass bei zwei Kids das ganze doch ein ziemlicher Gewaltakt ist.

Der Große ist auch einen unerwarteten Schritt gegangen und will sein Studium vorzeitig beenden bzw. in den offline-Modus schieben um eine Ausbildung zu beginnen. Heute war das erste Bewerbungsgespräch, welches wohl sehr gut lief, aber es ist noch nicht in trockenen Tüchern. Er wird wohl auch ausziehen und trotz Lehrlingsgehalt wird es wohl noch eine Finanzspritze von zuhause brauchen. Da heißt Wohnung suchen sobald ein Ausbildungsvertrag da ist, wobei es nicht eilig ist da die Ausbildung hier in der Nähe ist.

Dann werde ich mal in aller Ruhe nächste Wochen unsere Finanzen prüfen wo noch alles Einsparpotenzial ist um den Kids ihre Ausbildungen zu ermöglichen. Ich bewundere heute noch meine Eltern die ebenfalls das Glück hatten mal eben so an der Grenze vorbeizurutschen und uns trotzdem unsere Traumausbildung ermöglichten. Noch heute bekomme ich einen Groll gegen diejenigen die es dank ihrem Steuerberater schafften ihre Einkünfte so zu tricksen, dass ihre Kids trotzallem Anspruch auf Bafög hatten. Dumm gelaufen für uns. Ich werde dem Gatten mal vorschlagen, dass wir die nächsten 6 Jahre eben bei Brot und Wasser darben werden (Späßle!!!!).

Ach ja, ich hab doch glatt vergessen zu erwähnen, dass meine Eltern auf der Suche nach einer Wohnung im Bereich „Betreutes Wohnen“ sind. Letzte Woche hab ich in einer Spontan-Aktion Urlaub genommen um ein Objekt zu besichtigen. Nochmal Dank an meinen Chef der ebenso spontan mitgemacht hat. Zum Glück war es nicht das Richtige und wir haben noch ein wenig Verschnaufpause um das Ganze etwas besser zu planen.

Wann kommt eigentlich der Moment wo es ruhiger wird und man in die schöne Entspannungsphase kommt? Ich warte mal noch ein wenig und beobachte das in alles Ruhe (welche Ruhe?).

 

Geschafft

Nun liegen 27 Jahre Schule hinter mir. 13 davon bin ich selbst in die Schule gegangen und für die anderen 14 zeichnen meine Kinder verantwortlich.

Gestern war nun der große Tag der Notenbekanntgabe bei meiner Kleinen. Was soll ich sagen, sie ist einfach immer für eine Überraschung gut. Sie selbst hatte eine Abinote von 2,3 angepeilt und das schien auch realistisch. Dann kamen die Abiprüfungen. „Mittelmäßig“ war die häufigste Antwort wenn man sie fragte wie es lief aber es lief manchmal auch schlechter. Dann kam der Anruf aus der Schule, direkt nach ihrer Notenbekanntgabe … was soll ich sagen. Ja sie hat bestanden und zwar mit einer sensationellen 1,9 (im übrigen genau die Note die der Große auch hatte).

Ich bin soooo stolz auf meine zwei Monster aber … ICH habe jetzt keine Schule mehr!

Kinder – Leute

Ja aus Kindern werden Leute. Und wenn es die eigenen sind dann finde ich geht das irgendwie verdammt schnell.

Meinen Großen habe ich ja schon fast an das Erwachsensein verloren, wobei ein Mann ja nie wirklich erwachsen wird. Nun ist mein Töchterlein auf dem besten Weg dazu es ihm gleich zu tun.

Wir waren heute shoppen. Nein, nicht einfach nur Klamotten shoppen, wir haben ein Kleid für die offizielle Abifeier gesucht. Ich habe ja geahnt, dass das nicht einfach werden würde, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass wir 5 Stunden unterwegs sind. Ich weiß ich übertreibe schon wieder, wir haben uns ja zwischendrin auch was zum Essen gegönnt.

Die Schwierigkeit war ja nicht unbedingt ihre Figur, wobei es auch nicht immer einfach ist in Größe 32 etwas zu finden. Nein die Schwierigkeit war ihren Geschmack zu treffen. Es sollte elegant aber nicht zu überladen sein, es sollte farbig aber nicht zu bunt sein, es sollte festlich aber nicht kitschig sein, es sollte kurz aber nicht zu kurz sein, (to be continued). Nach gefühlten 100 Anproben, ok es waren ca. 30 Kleider und 5 Geschäfte, haben wir in der Endauswahl noch zwei Kleider gehabt. Nachdem wir uns nicht sicher sind haben wir beide mitgenommen und müssen jetzt in den nächsten 14 Tagen eine Entscheidung treffen.

Es ist schön mit der Kleinen die jetzt schon so groß ist, auch längenmässig hat sie mich schon übertroffen, unterwegs zu sein und einfach den Tag zu geniessen.